⭐Türchen 17⭐
Tagebuch 17.12.25

Die meisten Leute kennen mich eigentlich unter den Namen Tommy (12), aber allen, die mich noch nicht kennen, erzähle ich heute meine Geschichte.
Diese begann im Frühjahr 2021, als ich in Traben-Trarbach herumstreunerte. Ich lebte auf der Straße, wurde hier und da gefüttert, was zuvor alles passierte, darüber möchte ich nicht sprechen. Eines Tages brachte mich eine nette Frau zu einer Tierärztin, ich war zwar bereits kastriert, aber nicht gekennzeichnet, weshalb man mich nicht zuordnen konnte und mir den Namen Tommy gab. Leider stellte die Ärztin aber fest, dass ich FIV positiv bin und einen Ohrpolypen und eine starke Bindehautentzündung hatte. Daraufhin wurde ich ins Eifeltierheim gebracht, wo ich auch behandelt wurde. Das fand ich echt nicht toll, ständig wollte jemand was von mir, schmierte mir seltsame Dinge in Ohr und Auge, widerlich, das kann ich euch sagen. Irgendwann durfte ich aber endlich die Quarantänestation verlassen und zog in einem tollen Zimmer mit angrenzenden Außengehege ein. Das war großartig, bis auf eine Kleinigkeit: ich musste es teilen.
Der ein oder andere war eigentlich ganz in Ordnung, Merlin zum Beispiel, der ließ mich in Ruhe und ich meist ihn. Ganz schlimm war aber Gustav, der hat sich in mich verliebt, aber gut, ich bin ja auch unwiderstehlich. Ich gab Gustav eine Abfuhr nach der anderen, aber er ließ einfach nicht locker. Man erzählt, dass er jetzt aber wohl bei einem anderen schwarzen Kater aus unserem Heim lebt und ihn anbaggert. Sollen die beiden glücklich werden, Hauptsache ich hab meine Ruhe.

Leider zeigte ich meine Abneigung gegen andere Katzen wohl aber nicht stark genug, war wohl zu nett, weshalb man mich zu einer zweiten Katze vermittelte. Das Zuhause an sich war mega, aber meine Menschen teilen? Nein, nicht mit mir! Aber kaum zeigte ich endlich, dass ich andere Katzen nicht mag und fing an meinen Mitbewohner zu prügeln, musste ich wieder zurück ins Tierheim, so ein Mist. Von dem Tag an war Schluss mit dem netten Tommy, ich konnte endlich mein wahres Gesicht zeigen und Katzen vermöbeln. Mein neuer Erzfeind: der rote Zerwone.

Leider kam dann aber auch gesundheitlich noch einiges auf mich zu, ich klang beim Atmen wie Darth Vader, eigentlich voll cool, aber der Tierarzt sah das anders, weshalb ich seitdem Tabletten nehmen muss, was meine Vermittlungschancen nicht gerade steigerte. Wer will schon einen röchelnten alten FIV-Kater? Und habe ich schon erwähnt, dass ich gelegentlich auch Menschen beiße? Die sollen sich nicht so anstellen, ich kann doch nichts dafür, wenn die einfach nicht dass tun, was ich möchte und Zähne hab ich auch kaum noch, kann also doch gar nicht so weh tun, wie sie immer alle sagen.
Eine meine Pflegerinnen schien das auch gar nicht so schlimm zu finden, sonst hätte sie mich nicht nach fast einem Jahr Tierheimaufenthalt endlich mit zu sich nach Hause genommen, aber wie gesagt, ich bin ja auch unwiderstehlich.

Von jetzt auf gleich hatte ich plötzlich alles von dem ich immer geträumt habe: meine eigene Wohnung, mein eigener Balkon und ganz wichtig: meine eigenen Menschen, welche ich nun nicht mehr teilen muss. Natürlich beiße ich sie immernoch regelmäßig, man darf ja nicht seine Wurzeln vergessen und ich bin nunmal der Chef, aber sonst bin ich deutlich entspannter geworden, hab sogar das Spielen für mich entdeckt.
Vor etwa einem Jahr kamen leider Rückenschmerzen zu meiner Krankenakte dazu. Mein Tierarzt sagt, es sei Arthrose. Ich sagte nur „Mach das weg!“. Dass das bedeutet, alle sechs Wochen für eine Spritze dahinzumüssen, hätte ich gern vorher gewusst. Aber Hauptsache es hilft. Ich kann jetzt sogar wieder ein wenig springen.
Nächstes Jahr werde ich 18, dann kann ich auch selbst zu meinen Tierarztterminen fahren, vorausgesetzt meine Eltern spendieren mir endlich ein Auto. Mit 18 noch von Mama gefahren zu werden, ist ja wohl mega peinlich. Hoffentlich steckt das niemand meinem Erzfeind Zerwone.
So, jetzt hab ich aber lang genug erzählt, mein Bett wartet bereits auf mich. Ich meld mich bestimmt nochmal bei euch zu meinem großen Tag im nächsten Jahr.
Bis dahin
Euer Bommel



