Die Katzen in unserem Haus rempeln sich immer gegenseitig an, wer Katze der Woche sein darf. Jede möchte zuerst drankommen. Daher darf endlich mal Lian das Wort ergreifen, denn er wartet schon länger darauf, dass er donnerstags im Rampenlicht stehen darf.
Tagebuch 23.07.26

Hallo Tagebuch,
jetzt geht es endlich mal um mich, das wurde auch Zeit. Vor vielen Wochen hat mir die Katze-der-Woche-Ghostwriterin fest versprochen: “Lian, Du bist so toll, ich mache Dich zur Katze der Woche”. Nix ist passiert. Gar nix. Geguckt hat sie auch nicht mehr nach mir. Sie hätte mich auch gar nicht gefunden. Ich wohne in Zimmer 1 nämlich mittlerweile unter der Bank, weil meine FIVie-Mitbewohner schrecklich doof sind. So verkrümele ich mich hier und zähle meine Krallenspitzen. Und zähle nochmal und wenn mir langweilig ist, zähle ich noch mal nach. So vergeht meine Zeit hier.

Ich bin nicht mehr jung, viele Katzenleben habe ich auf dem Buckel und mein Alter müsste sich so auf etwa 14 Jahre belaufen.
Gefunden wurde ich in Lichtenborn und niemand hat mich vermisst. Ich habe immer gehofft, dass jemand kommt und sagt “der Lian, der gehört mir”. Daher hoffe ich, dass jemand über dieses Tagebuch von mir erfährt und schon in naher Zukunft von sich sagen kann: “der Lian, der gehört mir”.
Das Leben auf der Straße hat mir FIV / Katzenaids beschert, aber Sie alle wissen ja, dass das kein großes Problem ist und FIVies noch viel älter als 14 werden können.
Ich möchte ein Zuhause, vielleicht mit gesichertem Freigang, aber auf jeden Fall ohne Katzen und ohne Kinder, weil ich die blöd finde.
Auch die Pflegerinnen hier finde ich doof, die kommen immer mit einer Bürste, weil ich mit der Fellpflege nicht ganz hinterherkomme (ich muss ja meine Krallen zählen) und das mit der Bürste haben die echt nicht drauf. Dann schneiden die mir am Ende noch Haarbüschel ab und ich würde furchtbar aussehen. Das haben die letztens mit Nunu gemacht, fürchterlich, nicht mit mir. Auch ein Grund, um mich unter der Bank zu verstecken.
Aber Menschen an sich finde ich überhaupt nicht doof. Ich bin ein ganz lieber Prachtkerl, sagt meine Co-Autorin und die meint das ernst.
Bis bald – merkt Euch, Zimmer 1 unter der Bank,
Euer Lian
