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Tagebuch Sonderseite

verfasst am 5. September 2026

Stellungnahme zum Artikel im Trierischen Volksfreund vom 3. September 2026:
„Fremde Katzen im Garten: Wann wird man vom Helfer zu Halter?“

Der Anlass für den Bericht ist die nun in Trier geltende Katzenschutzverordnung. Grundsätzlich begrüßen wir eine solche Verordnung, denn sie setzt dort an, wo Verantwortung beginnt: bei den Halterinnen und Haltern von Katzen. Kastration, Kennzeichnung und Registrierung sind wichtige Maßnahmen, um weiteres Katzenelend zu verhindern.

Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass die Problematik der sogenannten Streunerkatzen eine andere ist.

Ich kann an dieser Stelle nicht für das Tierheim Trier sprechen und auch nicht beurteilen, wie viele Helferinnen und Helfer dort tatsächlich zur Verfügung stehen, um Streunerkatzen und Katzenwelpen einzufangen. Was ich weiß: In Trier gibt es seitens der Stadt finanzielle Unterstützung für die Kastration von Streunerkatzen. Das ist grundsätzlich richtig und wichtig.

Doch eine scheue Streunerkatze ist nicht automatisch ein Tier, das im Tierheim untergebracht werden kann oder sollte.

Ein Tierheim sollte man bitte nicht mit einem Seniorenheim vergleichen, in dem ein Bewohner einzieht und dauerhaft bleibt. Ein Tierheim lebt vom Prinzip „rein und raus“. Tiere werden aufgenommen, versorgt und möglichst in ein geeignetes Zuhause vermittelt. Würde man jede scheue, nicht sozialisierbare Streunerkatze dauerhaft im Tierheim unterbringen, wären die vorhandenen Kapazitäten innerhalb kürzester Zeit erschöpft.

Deshalb wäre es in vielen Fällen sinnvoller, zunächst die Mutterkatze einzufangen, sie kastrieren zu lassen und anschließend – sofern sie nicht sozialisiert werden kann – an einer geeigneten Stelle weiter zu versorgen. Vielleicht findet sich eine Person, die bereit ist, die Katze regelmäßig zu füttern und ein Auge auf sie zu haben.

Bei den Kitten sieht die Situation anders aus. Junge Katzen lassen sich häufig noch sozialisieren und anschließend in verantwortungsvolle Hände vermitteln. Genau hier kann Tierschutz sinnvoll und nachhaltig ansetzen.

Was leider viele Menschen nicht verstehen: Wir können nicht jedes Problem einfach aufnehmen.

Die Tierschutzvereine und Tierheime sind längst am Limit. Auch wir können uns vor Anfragen kaum retten. Aktuell haben wir beispielsweise mehr als 200 Katzen, um die wir uns kümmern, die wir einfangen, unterbringen oder aufnehmen sollen.

Und trotzdem wird immer wieder erwartet, dass ehrenamtliche Tierschützerinnen und Tierschützer die Probleme lösen, die an anderer Stelle entstehen.

Wir sollen teilweise Aufgaben übernehmen, die eigentlich der öffentlichen Ordnung, den Kommunen oder anderen zuständigen Stellen zuzuordnen sind. Gleichzeitig gehören wir selbst nicht zur öffentlichen Verwaltung und verfügen nicht annähernd über deren Mittel und Strukturen.

Anerkennung allein reicht irgendwann nicht mehr.

Ja, wir bekommen viel Lob. Uns wird gesagt, wie toll es ist, dass es uns gibt und dass wir uns kümmern. Aber nach dem Lob kommt häufig – nichts.

Die Realität des Ehrenamtes sieht anders aus.

Ob jemand eine sogenannte Messiwohnung fluchtartig verlässt und 15 Katzen zurücklässt, ob ein Halter ins Gefängnis muss oder aus anderen Gründen seine Tiere nicht mehr versorgen kann – die Beispiele sind vielfältig. Am Ende stehen sehr häufig Menschen aus dem Tierschutz vor dem Problem und sollen es irgendwie richten.

Aber womit?

Mit unseren privaten Fahrzeugen, unserer Freizeit, unseren Nerven, unseren eigenen Räumlichkeiten und häufig auch mit unserem eigenen Geld.

Wir sind alle am Limit.

Und genau deshalb muss man bei der Diskussion über Streunerkatzen ehrlich über die vorhandenen Strukturen sprechen.

Für Streunerkatzen gibt es derzeit keine einfache, eindeutige Lösung, in die sie problemlos „einsortiert“ werden können. Sie fallen teilweise komplett durch das System.

Dabei sind diese Katzen nicht einfach irgendwo „vom Himmel gefallen“. Viele stammen ursprünglich von Fundtieren, ausgesetzten Tieren oder nicht kastrierten Hauskatzen ab. Genau deshalb müssen wir das Problem langfristig an der Wurzel angehen.

Die Katzenschutzverordnung setzt dabei zunächst bei den Katzen an, die ein Zuhause haben. Halterinnen und Halter sollen dafür sorgen, dass ihre Tiere kastriert, gekennzeichnet und registriert sind. Das ist ein wichtiger Schritt – und irgendwo müssen wir schließlich anfangen.

Aber gleichzeitig dürfen wir die bereits vorhandenen Streunerkatzen nicht aus dem Blick verlieren.

Es ist widersprüchlich, wenn einerseits immer mehr Aufgaben auf den Tierschutz zukommen, andererseits aber die notwendige Infrastruktur fehlt.

Alle Tierheime sind derzeit am Limit.
Wir können uns vor Anfragen kaum retten. Gleichzeitig sollen wir immer mehr Tiere aufnehmen, einfangen, medizinisch versorgen, kastrieren, sozialisieren und vermitteln.

Doch wer ist eigentlich für den Bau und die Finanzierung weiterer Tierheime verantwortlich?

Offensichtlich möchte diese Verantwortung niemand übernehmen.

Und genau hier liegt das eigentliche Problem.

Für den Schutz von Wildkatzen werden immer wieder erhebliche öffentliche Fördermittel bereitgestellt. Das ist grundsätzlich richtig und wichtig. Aber die Hauskatze, die inzwischen in sehr vielen Haushalten lebt und deren unkontrollierte Vermehrung letztlich auch zu dem Problem der Streunerkatzen beiträgt, darf dabei nicht vergessen werden.

Es kann nicht die Lösung sein, immer neue Aufgaben an ehrenamtliche Tierschützer zu delegieren und gleichzeitig darauf zu hoffen, dass sie das schon irgendwie schaffen.

Tierschutz braucht nicht nur Dank und Anerkennung. Tierschutz braucht Strukturen, finanzielle Unterstützung und ausreichend Platz.

Wir helfen gerne. Wir tun das aus Überzeugung und weil uns die Tiere am Herzen liegen.

Aber auch Ehrenamt hat Grenzen.

Und wenn diese Grenzen längst erreicht sind, sollte man nicht noch mehr Erwartungen an diejenigen stellen, die ohnehin schon versuchen, ein System aufzufangen, das an vielen Stellen nicht funktioniert.

Vielleicht wäre deshalb die bessere Frage nicht:

„Wann wird man vom Helfer zum Halter?“

Sondern:

„Wann erkennen wir endlich, dass ehrenamtliche Tierschützer nicht die fehlende öffentliche Infrastruktur ersetzen können?“

Denn eines ist sicher:
Wir helfen – aber wir können nicht alles auffangen.

Anke Zimmer

Tierheimleitung

einsortiert unter: Tagebuch

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54518 Altrich
Telefon: +49 (0) 65 71 – 955 21 21

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Internet: eifeltierheim.de

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